Sonntag, 2. Juni 2013
Der ewige Film..
'Leni steht vor dem Spiegel im Schulklo.. Niemand sonst ist da, denn alle haben Unterricht. Mit der Ausrede sie müsse mal aufs Klo, durfte sie den Unterricht verlassen. Sie sieht in den Spiegel.. Wen sieht sie da? Wer ist dieses blasse Mädchen, dessen Beine und Arme mit Narben übersät sind? Das ist sie selbst... Leni..
Schon jetzt laufen ihr Tränen über ihre Wangen. Sie holt die Glasscherbe aus ihrer Hosentasche. Da ist sie. Die Hilfe zur Erlösung.. Leni hält ihren linken Arm über das Waschbecken, und setzt die Spitze der Scherbe auf ihre Pulsader. Dann drückt sie.. Immer fester.. Bis sie merkt, dass sie ihre Haut durchtrennt hat. Jetzt zieht sie die Scherbe, mit voller Kraft, von ihrem Handgelenk bis zum Ende der Pulsader.. Sie sieht in den Spiegel. Die Schmerzen sind gar nicht so stark wie sie erwartet hätte.
Das warme Blut fließt über ihre Hand und ins Waschbecken.. Leni atmet tief durch. Setzt mit dem bereits aufgeschlitzten Arm, die Scherbe am anderen Arm an, und zieht erneut durch. Sie legt die Scherbe vorsichtig auf den Rand des Waschbeckens.. Mit der Hüfte öffnet sie vorsichtig die Tür. Der Flur ist leer, niemand ist da. Langsam läuft Leni los.
Das warme Blut strömt ungehalten aus ihren Armen. Vorsichtig und unter Schmerzen öffnet sie die Tür zur Treppe.. Sie wankt die Treppe hoch. Sie merkt wie ihre Kräfte immer mehr schwinden. Sie zittert am ganzen Körper.. Sie schafft es gerade noch so zur Tür ihres Klassenzimmers..
Unter höllischen Schmerzen und ohne jegliche Kraft öffnet sie langsam die Tür.. Plötzlich wird ihr schwarz vor Augen, und sie droht wegzusacken, doch sie kann sich am Türrahmen abfangen.
Alle schauen sie an. Leni schaut noch einmal in den Flur. Eine Blutspur zeigt ihren qualvollen und zugleich erlösenden Weg. Jetzt bemerken auch die ersten Schüler das, aus den Armen strömende, Blut. Leni macht einen Schritt ins Klassenzimmer. Sie sammelt ihre letzte Kraft, ihren letzten Willen und ruft so laut sie kann und mit zittriger Stimme: „Celine, endlich bin ich erlöst!“
Gerade als sie das letzte Wort ausgesprochen hat, wird ihr schwarz vor Augen.
Sie verliert die Kontrolle über ihren schwachen Körper. Sie sackt in sich zusammen. Niemand kann ihr mehr helfen..'
Schweißgebadet und unter Tränen wacht Leni auf. Es war nur ein Traum! Gut.. Oder doch schade? Sie weiß es nicht genau.
Dieser Film läuft nun schon seit Tagen vor ihren Augen ab. Sie möchte dagegen ankämpfen. Doch ihre einzigen Waffen sind Wut, Trauer, Sehnsucht und der starke Drang zum Ritzen. Sie hat ihren Abschiedsbrief schon geschrieben.


Immer mehr Leute sagen Leni sei dumm oder ein Emo, weil sie sich ritzt. Diese Menschen haben keine Ahnung. Nicht jeder Emo ritzt sich, und es hat nicht im geringsten etwas mit Dummheit zu tun. Wenn man sich ritzt sind in diesem Moment, der seelische Druck und die Gefühle in einem drin zu viel und zu groß um sie auszuhalten. Es ist eine Art Befreiung. Und doch ist es eine Krankheit.. Eine so furchtbare Sucht.. Eine Sucht die alles beherrscht, und irgendwann zu einer Art Körperfunktion wird. Es wird so selbstverständlich wie schlafen oder essen.

Viele Menschen drängen Leni dazu, mit dem Ritzen aufzuhören. Doch sie verstehen nicht, dass das nicht so einfach ist wie sie denken.
Wieso sollte sie das lassen, was ihr zeigt das sie noch am Leben ist, das ihr hilft sich selbst noch zu spüren? Hört ihr denn auf zu atmen?
Kennst du das..? Du willst weinen, doch es geht nicht. Du willst schreien doch es geht nicht. Du willst sterben doch es geht nicht. Nein?
Dann hör auf über sie zu urteilen. Du weißt nicht wie es in ihr aussieht.
Jede Nacht weint sie sich in den Schlaf und hofft, dass das alles bald ein Ende hat..!
Sie kann das alles nicht mehr lange..

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